Aufgrund der hohen Priorität, die Deutschland der Windkraft einräumt, werden in der Gemeinde Zernien und den umliegenden Gemeinden derzeit in rasantem Tempo neue Windkraftflächen ausgewiesen. Die Geschwindigkeit der Planungen lässt jedoch Zweifel aufkommen, ob dabei alle relevanten Aspekte – wie Natur- und Landschaftsschutz, Abstandsregelungen oder die Beteiligung der Bürger – ausreichend berücksichtigt werden.
Diese von uns erstellte Übersichtskarte zeigt alle derzeit bekannten, neu auszuweisenden Windkraftflächen im Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Rot markiert sind die Flächen, die über das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) gesteuert werden. Lila markiert sind zusätzliche Flächen, die von den jeweiligen Gemeinden – häufig auf Anregung der Projektierer – über die sogenannte Gemeindeöffnungsklausel beantragt wurden.
Die verschiedenen Schutzgebiete sind jeweils in den entsprechenden Flächenfarben dargestellt. Die Karte verdeutlicht, wie sensibel und schützenswert unsere Region ist. Ebenso erkennbar ist die für das Wendland typische Streubesiedlung: Auf der Karte sind zahlreiche Siedlungen im Landkreis als rote Punkte markiert.
Eine große (8000px breit) sowie eine sehr große (14000px breit) Version der Karte ist ebenfalls verfügbar:
Für Zernien planen Gemeinde und Landkreis zwei Windkraftflächen: eine westlich von Zernien nördlich von Sellien sowie eine zweite Fläche östlich von Riebrau.
Damit wären Riebrau, Breese, Klöterhörn, Braasche, Zernien, Sellien, Reddien und Timmeitz künftig von zwei Seiten von Windkraftflächen mit insgesamt bis zu 32 Windkraftanlagen umgeben – wobei der Projektierer inzwischen nur noch von 18 Anlagen spricht. Ab 20 Anlagen greift im Genehmigungsverfahren eine strengere Umweltprüfung.
Zusätzlich sind in den angrenzenden Gemeinden Stoetze und Karwitz sowie im gemeindefreien Gebiet Göhrde weitere Windkraftflächen geplant.
Die im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) vorgesehenen Flächen umfassen bereits über 7 % der Gemeindefläche Zerniens (rot markiert). Zusätzlich möchte die Gemeinde über die sogenannte Gemeindeöffnungsklausel weitere Flächen ausweisen (lila markiert). Damit würden insgesamt mehr als 10 % der Gemeindefläche für Windkraftanlagen vorgesehen.
Das entspricht über 700 Hektar bzw. knapp 1.000 Fußballfeldern – fast ausschließlich Wald- und Forstflächen, die gerodet werden müssten. Hinzu kämen zusätzliche Flächen für Zuwegungen, Schwerlasttransporte und technische Infrastruktur.
👉🏼 Größere Karte ansehen (5,5 MB)
Auf der Karte wird zudem deutlich, dass die grünen Flächen – Wald- und Landschaftsschutzgebiete – stark fragmentiert würden. Das zusammenhängende Großökosystem zwischen Göhrde und Biosphärenreservat Elbtalaue würde zerschnitten. Auch die Vogelmigration zwischen den Vogelschutzgebieten an der Elbe sowie bei Gülden/Middefeitz könnte erheblich beeinträchtigt werden.
Die blau markierten Bereiche zeigen Wasserschutzzonen. Großflächige Waldrodungen und die damit verbundene Austrocknung der Böden könnten auch hier negative Auswirkungen haben.
Östlich von Zernien plant JUWI den 173 Hektar großen Windpark „Volkfien“ mit bis zu 9 Windkraftanlagen. Auch diese Fläche befindet sich nahezu vollständig in Wald- und Forstgebieten.
Ein avifaunistisches Gutachten ergab zudem, dass sich ein besetzter Rotmilan-Horst in nur knapp 300 Metern Entfernung sowie ein Baumfalken-Horst in rund 200 Metern Entfernung befinden. Insgesamt wurden im Untersuchungsgebiet 57 Vogelarten erfasst, darunter 15 sogenannte wertgebende Arten wie Rotmilan, Kranich, Schwarzspecht und Ortolan.
Zusätzlich soll das Gebiet über die Gemeindeöffnungsklausel erweitert und die Ausweisung beschleunigt werden – ein Vorgehen, das sowohl von der Gemeinde Jameln als auch vom Projektierer befürwortet wird.
Wenn man den Blick etwas über den Ortskern und die direkt angrenzenden Dörfer hinaus weitet, wird schnell deutlich, welche Dimensionen die geplanten Vorrangflächen für Windkraft annehmen. Im Umkreis von etwa 10 Kilometern rund um Zernien könnten in den ausgewiesenen Gebieten bis zu 150 Windenergieanlagen entstehen.
Im Waldgebiet nordöstlich von Waddeweitz soll eine größere Fläche für Windkraft ausgewiesen werden. Laut Projektierer UKA hätten dort im geplanten Windpark „Heidstücke“ bis zu 11 Windkraftanlagen Platz. Auch diese Fläche liegt vollständig im Wald.
Südwestlich von Küsten, im Nienhofer Forst, ist ebenfalls die Ausweisung einer größeren Windkraftfläche vorgesehen (weitere Details folgen).
Nordöstlich von Küsten plant HBRP zudem, außerhalb der im RROP vorgesehenen Flächen über die Gemeindeöffnungsklausel zusätzliche Flächen von knapp 150 Hektar für bis zu 8 Windkraftanlagen zu beantragen – trotz der Einstufung als „FFH-Gebiet – Brutvögel – wertvoller Bereich“.
Das gemeindefreie Gebiet Gartow müsste laut aktuellem RROP-Entwurf fast 20% seiner Fläche für Windkraft ausweisen und nimmt damit den Spitzenplatz im Landkreis ein. Auf Platz zwei folgt die benachbarte Gemeinde Gorleben mit knapp 14%.
Die starke räumliche Ballung der geplanten Windkraftflächen ist auf der Karte deutlich erkennbar. Ebenso wird sichtbar, dass nahezu alle Flächen in Wald- oder Forstgebieten liegen – ähnlich wie in Zernien, wo ebenfalls große Teile der Göhrde für Windkraftplanungen vorgesehen sind.
Stand März 2025: Simulation der geplanten Windkraftanlagen in Sellien und Riebrau. Höhenangaben und Rotodurchmesser wurden vom Projektierer übernommen bzw. den technischen Unterlagen des Herstellers.
Windkraftanlagen aus angrenzenden Gemeinden wurden noch nicht abgebildet.
Das Video verleiht einen guten Einblick in den geplanten Umfang der Windparks, sowie die Höhe und visuelle Dominanz der Anlagen.
Die Potenzialfläche 06 "Zernien" liegt westlich von Zernien, und nördlich der B 191 und grenzt im Westen an den Landkreis Uelzen. Die Teilfläche umfasst ca 251 ha und würde Platz bieten für 12 bis 15 Windkraftanlagen.
Umliegende Ortschaften:
Zernien ca 900 m östlich
Riebrau ca 900 m nordöstlich
Braasche ca 1.300 m östlich
Timmeitz ca 1.300 m südlich
Die Potenzialfläche 03 "Breselenz/Göhrde" liegt nordöstlich von Zernien, und erstreckt sich von der Gemeinde Göhrde im Norden, über das gemeindefreie Gebiet Göhrde weiter über die Gemeinden Zernien und Karwitz bis nach Volkfien in der Gemeinde Jameln. Das Gebiet liegt fast vollständig in Wäldern.
Umliegende Ortschaften:
ca 600 m: Pudripp, Mailage
ca 900 m: Govelin, Schmessau, Plumbohn, Wedderien, Dragahn, Nausen, Gamehlen, Riekau, Neu Tramm, Breselenz, Volkfien, Wibbese, Mützingen, Bellahn, Keddien, Braasche, Breese an der Göhrde, Riebrau, Kollase